Gewaltfreie Kommunikation

Die Wertschätzende oder auch Gewaltfreie Kommunikation, GfK (engl. Nonviolent Communication, NVC) ist eine prozessorientierte Kommunikationsmethode. Sie bietet die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir grundlegend menschliche Beziehungen – sowohl im privaten als auch beruflichen Umfeld – wertschätzend gestalten wollen und können.

Grundannahmen der GfK

Eine Grundannahme der GfK ist, dass alle Menschen eine Reihe von Bedürfnissen (Schlaf, Anerkennung, Wertschätzung, Respekt, Autonomie, Sicherheit, Klarheit usw.) teilen. Nach dem Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation entstehen Konflikte nicht auf dieser Bedürfnisebene, sondern auf der Ebene der Strategien, derer sich Menschen bedienen, um sich ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Eine zweite Annahme ist die, der Selbstverwantwortung. Die GfK nimmt damit Abstand vom klassischen Täter-Opfer-Denken und fokussiert statt auf Urteile, Interpretationen und Diagnosen, auf Gefühle und Bedürfnisse und die Selbstverantwortung für diese. Damit bietet die GfK ein wertvolles Werkzeug für einen wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander, auch für die berufliche Kommunikation.

Werden die Bedürfnisse aller Beteiligten erst einmal offen gelegt und klar formuliert, entstehen oft völlig neue Möglichkeiten für die Lösung von (verhärteten) Konflikten und emotional belastenden Situationen in Berufs- und Privatleben und das gegenseitige Verstehen. Dabei steht der Konsens, nicht der Kompromis im Vordergrund.

Anwendungsgebiete für GfK

Die GfK kann in allen Lebensbereichen Anwendung finden, in denen emotional belastende Situationen das Miteinander erschweren:

  • Berufsleben: Spannungen und Konflikte zwischen Kollegen und zwischen Hierarchieebenen, die bspw. gemeinsame Projekte gefährden und Kooperation einschränken oder zu Motivationsverlust führen können
  • Privatleben: Familie, Partnerschaft, Freundschaft
  • Innere Konflikte: Entscheidungen
Begründer der GfK: Dr. Marshall B. Rosenberg

Der US-Amerikaner Marshall B. Rosenberg (1934–2015) war der Begründer der sogenannten Gewaltfreien Kommunikation, in die u. a. Arbeiten von Gandhi (Gewaltlosigkeit) und Carl Rogers (Klientenzentrierte Gesprächsführung) einflossen. Er entwickelte diese in den 1960er Jahren und war in über 60 Ländern als Mediator und Trainer tätig. Rosenberg promovierte 1961 im Bereich Klinische Psychologie an der University of Wisconsin–Madison. 1984 gründete er die gemeinnützige Organisation The Center for Nonviolent Communication, CNVC (vgl. CNVC, Wikipedia).

Die „Methode“

Methodisch gesehen, besteht die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) aus den folgenden vier Schritten:

  1. Beobachtung der konkreten Situation.
  2. Gefühl, das durch die Beobachtung ausgelöst wurde.
  3. Bedürfnis, das hinter dem Gefühl steht.
  4. Bitte an mich oder den/die Interaktionspartner/-in.
1. Beobachtung

Beim diesem ersten Schritt geht es draum zu beobachten, was passiert (ist). Die Beobachtung beinhaltet dabei keine Bewertungen, Interpretationen oder Urteile.

2. Gefühl

In einem zweiten Schritt wird ausgedrückt, welche Gefühle die Beobachtung bei einem selbst oder bei einer anderen Person ausgelöst hat. Die Gefühle sind dabei frei von Schuldzuweisungen nach dem Motto „Gefühle haben keinen Täter“.

3. Bedürfnis

Schließlich wird das unerfüllte Bedürfnis benannt, das hinter dem Gefühl steht. Indem man sowohl bei dem Gefühl als auch bei dem Bedürfnis von sich spricht und bei sich bleibt, übernimmt man Verantwortung für sich und seine Reaktion.

4. Bitte

Abschließend wird nach einer Bitte gesucht, die man an sich oder andere richten kann. Dabei ist zu beachten, dass eine Bitte keine Forderung darstellt.

Auch wenn die Methode der GfK zunächst etwas „sperrig“ oder „starr“ erscheinen mag, ist sie bei genauerer Betrachtung vielmehr als eine reine Kommunikationsmethode oder -technik, die mechanisch angewendet wird. Vielmehr hat sie das Potenzial, das menschliche Miteinander zu verändern und zu bereichern.

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